Herberts Wohnzimmerführung - Teil 21 – Meißel, Beile und Steinäxte – Teil 1/3

Seit der Entdeckung der Pfahlbauten um 1860 wurden tausende von Steinbeilklingen in Uferstationen gefunden. Über die Jahrtausende der Jungsteinzeit wurden Unmengen von Steinbeilen gebraucht.

Hermann Schiele, ein Dingelsdorfer Pionier der Pfahlbauforschung, (1900 – 1983) kam 1928 nach Dingelsdorf. Er war ein leidenschaftlicher Steinzeitsammler und Strandsucher. Im Pfahlbau Wallhausen zeigte er mir das erste Steinbeil und die erste Pfeilspitze, was bei mir damals, sechsjährig, einen bleibenden Eindruck hinterließ. Hermann Schiele „Wahl-Dingelsdorfer“ entdeckte unbekannte Pfahlbaustationen und sammelte sie systematisch ab. Nach seiner Erzählung hat er an einem Nachmittag über siebzig Steinbeilklingen gefunden und im Rucksack nach Hause geschleppt.

 

Horgener große Fälläxte aus dem Pfahlbau Wallhausen

 

Seine Fundsammlung verkaufte er ins Pfahlbaumuseum Unteruhldingen. Das Rosgartenmuseum in Konstanz wurde 1870 vom Apotheker, Stadtrat Ludwig Leinert gegründet und die Sammlungen zusammengekauft. So bildeten über die Jahrzehnte tausende Steinbeile und viele andere Hinterlassenschaften der Stein- und Bronzezeit den reichhaltigen Museumsbestand.

Mein Opa, Johann Mesmer aus Wallhausen, erzählte mir, dass ansässige Bauern und Fischer in den Wintermonaten bei Niederwasser im ufernahen Bereich Beile suchten. Für ganze Beile zahlte Leinert drei Reichsmark, das war ein lukratives Zusatzeinkommen.

Als die Beilklingen seltener wurden, haben findige Fischer von der Reichenau mit drehbaren Schleifsteinen defekte und verwaschene Stücke auf Hochglanz geschliffen. So enthält der Bestand des Rosgartenmuseums auch hunderte neue Steinbeile. Auch ich habe sehr viele Steinbeile in allen Größen in den Pfahlbaustationen geborgen.

Noch heute kommen durch Wellengang und Geröllumlagerungen Beile zu Tage.

 

Pfyner Walzenbeile vom Klausenhorn bei Dingelsdorf

JoomSpirit