Herberts Wohnzimmerführung - Teil 25 – Feuerstein, der Stahl der Steinzeit – Teil 2/2

Feuerstein wurde in großen Mengen gebraucht für die vielfältigen Schneidetätigkeiten im täglichen Leben der Pfahlbauern.

Die Feuersteinknollen in den Vorkommen am Randen bei Schaffhausen sind relativ klein, aus ihnen konnten nur Messer bis maximal 10cm hergestellt werden. Da wundert es nicht, dass die findigen Menschen der Steinzeit qualitativ hochwertige, große Feuersteinklingen aus bis zu 1000km entfernten Vorkommen an den Bodensee importierten.

Im Museum Dingelsdorf ist eine Vitrine von dem Archäologen Dr. Michael Kaiser gestaltet worden. In ihr werden importierte, am Bodensee gefundene Werkzeuge gezeigt und an Hand von Karten deren Handelswege sichtbar gemacht.

 

Bezugsquellen für Feuerstein aus weit entfernten Lagerstätten, die die Pfahlbauern nutzten

 

Da sind Werkzeuge aus belgischen, dänischen, französischen und italienischen Feuerstein-Lagerstätten ausgestellt. In den steinzeitlichen Weltkulturerbestätten des Bodensees wurden besondere Stücke gefunden. Dazu gehört der 5000 Jahre alte „Dolch von Allensbach“. Diesen Sensationsfund machten die Archäologen bei einer Grabung am Strandbad in Allensbach.

 

Dolch Allensbach (User:Opodeldok, ALM 05 Dolch, CC BY-SA 2.5)

 

Die Feuersteinklinge stammt aus Oberitalien, sie ist mit Birkenteer in einen Holundergriff geschäftet. Aber auch in unserem kleinen Museum in Dingelsdorf gibt es Dolchklingen aus Remidello (Oberitalien) und sogar ein Import aus Dänemark zu sehen. Bemerkenswert ist, dass der Dolch aus Allensbach und zwei Dolche aus Sipplingen aus der gleichen Lagerstätte wie Ötzis Dolch stammen, eben aus Remidello.

 

Dolchklingen in Sipplingen gefunden stammen aus Oberitalien. Gezeichnet: Dr. Michael Kaiser (Landesdenkmalamt Hemmenhofen)

 

Es ist kaum vorstellbar, welcher Anstrengung es bedurfte, Feuersteinklingen durch unwegsame Urwälder und über die Alpenpässe bis in die Pfahlbaudörfer an den Bodensee zu tragen.

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