Herberts Wohnzimmerführung - Teil 15- Hammeräxte

Hammeräxte waren in der Pfahlbauzeit sehr selten.

Die Herstellung einer Hammeraxt war schon wegen des Bohrlochs sehr aufwändig und zeitintensiv. Experimentalarchäologen benötigten an die 600 Stunden für die Fertigung einer solchen Axt.

Der Stein wurde zuerst gesägt, anschließend gepickt und auf Sandsteinplatten geschliffen. Mit hohlen Holunderstäben, Quarzsand und Wasser bohrte der steinzeitliche Handwerker das Schaftloch.

Als Arbeitsgerät zum Fällen von Bäumen und zur Holzbearbeitung waren sie denkbar ungeeignet, zu groß war die Bruchgefahr im Bereich des Bohrlochs.

Es ist anzunehmen, daß nicht jeder erwachsene Mann eine solche Hammeraxt besaß.

Der hohe materielle Wert und die Seltenheit stellt die Hammeräxte in einen sozialen Kontext, als Prestigeobjekt, Statussymbol und Prunkwaffe.

Die meisten dieser Prestigeobjekte wurden aus besonderen, sehr harten und von weit her importierten Gesteinen, wie Diabas, Diorit, Prophyr, Granit, Serpentinit und Amphibolit gearbeitet.

 

Hammeräxte vom Klausenhorn bei Dingelsdorf:

oben: Ergänztes Teil einer Hammeraxt, gefunden von Herbert Gieß, 2018

unten: Axt aus Amphibolit, gefunden von Hermann Betz, 1930

 

In den vielen Jahren meiner Sammeltätigkeit kam nur sehr selten eine Hammeraxt zutage. Von den Fundumständen einer besonderen Axt möchte ich berichten.

In den Jahren von 1970 – 1995 wurden in der Ufersiedlung Ludwigshafen (Holzplatz) mehrere hundert Kilogramm schwere Betonsteine mit anhängenden schweren Ketten und Bojen zum Anbinden von Motor- und Segeljachten ausgebracht.

Je nach Windrichtung drehten sich die Bojen mit den Ketten um die Steine und fräßten sich bis zu einem Meter tief in die Kulturschichten.

Organische Hinterlassenschaften der Pfahlbauern wurden von den Ketten zermalmt und unwiederbringlich zerstört. In diesem Umfeld habe ich duzende von Steinwerkzeugen geborgen: Pfeilspitzen, Messer, Schaber und Bohrer aus Feuerstein und Beilklingen aus Felsgestein.

An einem Januarsonntag 1999 lag diese besondere Hammeraxt wie in einer Auslage, völlig frei auf einem Bojenstein.

 

5000 Jahre alte Horgener Hammeraxt aus importiertem grünem Serpentinit mit einem oval ausgeschliffenen Bohrloch.

 

JoomSpirit